Fragmentarische Lesung mit Sandra Gugic und Christian Hoffmann

Alles Abriss präsentiert:

Fragmentarische Lesung mit Sandra Gugic und Christian Hoffmann
Moderation und Gastlyrik: Manuel Stallbaumer
Soundcollagen: blumen|bergen

Am 05.06. 2012
20:00 Uhr
im Café des Conne Island
Eintritt frei

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Kampf der Wasserglaslesung!

Sandra Gugic und Christian Hoffmann, Studierende des Deutschen Literaturinstituts Leipzig stellen ihre Prosa im Rahmen eines gemeinsamen Versuchsaufbaus vor. Dabei werden sie von blumen|bergen an E-Bass und Effektgeräten klangmalerisch begleitet. Die Zuhörer erwartet eine Literaturperformance, die Musik, Fotografie und nicht zuletzt die Räumlichkeiten des Conne Island, mit gelesenen Texten verbindet.

Sandra Gugic, in Wien geboren, schreibt Prosa, Lyrik und Theatertexte. Seit 2009 Studium an der Universität für Angewandte Kunst Wien (Sprachkunst), seit 2011 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Preise und Stipendien u.a.: 2009 Dramatikerstipendium der Stadt Wien, 2010 Staatstipendium für Literatur des bm:ukk, 2011 Hohenemser Literaturpreis (Anerkennungspreis). Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien.

Christian Hoffmann schreibt Prosa, Hörspiele und Theatertexte. Seit 2011 Studium am Deutschen Literaturinstitut Lepzig

Weitere Infos plus kleinem Gewinnspiel gibts bei Facebook.

Wenn Magdeburger Klartext schreiben

Dass jede Stadt die Schmierfinken hat, die sie verdient, wird dieser Tage in Magdeburg deutlich. Das Magdeburger Stadtmagazin „DATEs“ veröffentlicht in seiner März-Ausgabe gleich zwei Artikel, die geschmackloser kaum sein könnten.

Auf den Seiten 4 und 5 beklagt ein gewisser „till“, die französische Überfremdung des Magdeburger Einzelhandels. „Auch Deutschland ist im Visier der Billig-Franzosen“, brüllt es aus einem Artikel heraus, dessen Verfasser nicht sicher ist, was genau er verwerflicher findet: dass die „Unternehmensgewinne komplett nach Frankreich abgeführt“ werden würden oder dass die „französische Sport-Billigkette“ sich nicht vorschreiben lassen mag, wo genau sie ihre Niederlassung zu errichten hat. Quellen gibt „till“ keine an. Braucht er auch nicht, denn seine Leser wissen, was er meint, und stimmen ihm in allem zu. In Magdeburg sind Fremde unerwünscht, selbst wenn diese genau die Arbeitsplätze schaffen, die die Einwohner Magdeburgs sonst immer so lautstark einfordern. Ist der Fremde einmal zufällig kein vereinzelter Asylbewerber oder eine der sogenannten Personen nichtdeutscher Herkunft – Menschen also, die in Magdeburg täglich damit rechnen müssen, beschimpft, verletzt oder getötet zu werden –, sondern ein finanzstarker Konzern, hört bei den Kartoffelbauern aus der Börde auch noch jene falsche Toleranz zu wirken auf, die SED und MDR sie lehrten. So wundert es nicht, dass via Facebook die Redaktion der „DATEs“ in ihrer Wut ganz unverstellt verkündet, was genau sie mit den Investoren für ein Problem hat. Es sei, so ein Redaktionsmitglied, das seinen Namen lieber nicht nennen mag, egal, „welche Länderfahne die Heuschrecke auf dem Rücken zu kleben hat“. Dabei sollte selbst dem drittklassigen Werbeblättchen bekannt sein, wer gemeint ist, wenn Menschen mit Heuschrecken, Kraken oder Ratten verglichen werden. Schlimm genug, dass die Zerstörer Magdeburgs – denn dass auch Franzosen Alliierte waren, weiß der echte Magdeburger und nimmt es ihnen übel – sich in Sudenburg niederlassen wollen; in ihren Reihen verbergen sie auch noch den Juden. Zum Glück, meint „till“, formiere sich „landauf, landab“ ein großdeutscher „Sturm des Widerstands“ gegen die „Expansionswellen“ des „Handelsnetze auswerfenden“ Froschfressers.

Wohl weil man so nah an die NPD (im Magdeburger Stadtrat vertreten) doch nicht heranrücken mag, wird in derselben Ausgabe ein Quotenneger eingeführt. Unter dem Titel „Der Medizin-Mann [sic!]“ (S.6) wird der Medizinstudent Williams Ngnintedem vorgeführt und (so sein Xing Profil) falsch geschrieben. Nachdem allerhand rassistische Klischees verbreitet worden sind und in beinahe jedem Satz darauf hingewiesen wurde, dass der junge Mann in Magdeburg und Deutschland keinesfalls zuhause sei, schließt der Bericht mit einer Anklage, die sich gewaschen hat. „Doch ob und wann es ihn wieder in die Heimat zieht, vermag William noch nicht zu sagen.“

Wahrscheinlich hat die „DATEs“ schon einen Tiertransport bestellt.

Vortrag zum emanzipatorischen Potential der Jazzimprovisation

Momente von Befreiung – Das emanzipatorische Potential der Jazzimprovisation

Eine populäre Charakterisierung des Jazz lautet, dieser sei eine Musik der Freiheit und des Widerstandes. Dabei werden oftmals Themen wie Rassismus, Black Music oder der subkulturelle Widerstand eines vermeintlichen Undergrounds in den Vordergrund gestellt. Der ästhetische Gegenstand und die Improvisation bleiben dabei gerne unbeachtet. Jedoch bietet gerade die Jazzimprovisation ein Interaktionsbündnis an, in dem emanzipatorisches Potential nicht nur vermutet werden kann, sondern nach Aussagen von Musikern auch zur konkreten Verwirklichung kommt. Dabei ergibt sich jedoch die Frage, was für eine gleichberechtigte improvisatorische Interaktion konstitutiv ist, anhand welcher Kriterien die Musiker ihre jeweiligen Positionen in der Gruppe aushandeln und wie sich die Interaktion dadurch letztendlich auch inhaltlich strukturiert.

Was zeichnet improvisatorische Interaktion im Jazz also aus? Zudem ist zu berücksichtigen, dass Jazz nicht in einem autarken Raum, sondern innerhalb der Kulturindustrie stattfindet, die sowohl das Artefakt, als auch die Musiker nicht unberührt lässt. Somit sind nicht nur die positiven Potentiale, sondern zugleich die möglichen Brüche der Jazzimprovisation mitzudenken – aber wiederum auch, wie sich die Improvisation zur Warenproduktion verhält.

Ausgehend von der Theorie der Kulturindustrie soll der Vortrag somit versuchen soziologisch zu erklären, wie improvisatorische Interaktion im Jazz funktioniert, welches emanzipatorische Potential darin liegt und wie sich letztendlich das Vermittlungsverhältnis zwischen Individuum und Kollektiv charakterisiert. Der Vortrag stützt sich dabei auf Erkenntnisse, die im Rahmen einer aktuellen empirischen Studie mit jungen Jazzmusikern gewonnen wurden.

Martin Niederauer ist Diplom-Soziologe und promoviert derzeit an der Goethe-Universität Frankfurt zum Thema „Die Widerständigkeit des Jazz.“

Wo: Deutsches Literaturinstitut Leipzig, Wächterstraße 34
Wann: Dienstag, 17. Januar 2012; 20.00 Uhr
Wir sehen uns!

Autoren und Musiker für Lesung gesucht

Alles Abriss suchen drei Autoren für eine Lesung in Magdeburg. Inziwschen dürfte ja alles wichtige bekannt sein.
Alle Einnahmen werden zu gleichen Teilen (oder nach Höhe der Fahrtkosten) unter den Autoren verteilt. Antisemiten, Macker, Kapitalismuskritiker und klingelnde Mobiltelefone sind während des gesamten Abends und überhaupt und sowieso unerwünscht. Jeder lesende Mensch hat zwischen 15 und 20 Minuten Lesezeit. Wer mitmacht und wer nicht, entscheidet unser Geschmack.
Sollten Musiker etwas beisteuern wollen, wäre uns das eine Freude. Es gelten die gleichen Bedingungen.

Zeitraum: Ende Februar/Anfang März (Der Termin steht noch nicht fest)
Ort: Café Central, Magdeburg
Thema der Veranstaltung: Ihr hier habt den Bus verpasst!
Rückmeldungen, Interessensbekundungen und Nachfragen:
derzeit leider nur via Facebook oder als ein Kommentar unter diesem Eintrag

Es danken
Alles Abriss

Dorothee Elmiger kommt ins Café Central

Alles Abriss präsentiert:
Dorothee Elmiger liest aus “Einladung an die Waghalsigen”.

Zeit
Donnerstag, 15. September, 21:00
Ort
Café Central Magdeburg
Leibnizstraße 34

Zwei Schwestern und ein Grubenfeuer, eine verwüstete Landschaft, ein verschollener Fluss und plötzlich dann ein weißes Pferd. Dorothee Elmiger, Gewinnerin des Kelag-Preises und des aspekte-Literaturpreises, sowie Studentin am Schweizerischen und am Deutschen Literaturinstitut, lässt in ihrem ersten Roman “Einladung an die Waghalsigen” ihre Protagonistinnen sich eine verlorengegangene Welt zurückerobern. Zwischen Erzählung und Montage schwankend, entlässt der Text die Leser nie in die Gemütlichkeit einer eindeutigen Gattung sondern fordert sie heraus abseits der Grenzen des Bekannten sich ihm anzunähern. Ihre nüchterne Sprache, die distanziert klingt aber sich nie vom Thema ablöst, macht Dorothee Elmiger zu einer der beeindruckensten Stimmen der neuen deutschsprachigen Literatur.